Abwasserleitung (Pipeline) vom Geflügelschlachthof Plukon
Gudensberg nach Haldorf seit November in Betrieb
Die neue Pipeline des Unternehmens Plukon ist seit November fertiggestellt
und in Betrieb. Damit wird das Abwasser aus der Schlachthof-Kläranlage nun
direkt in die Eder nahe Haldorf eingeleitet, anstatt zunächst über den Gudensberger
Goldbach abzufließen. Der Schlachthof in Gudensberg schlachtet jährlich
bis zu 26 Millionen Tiere und soll perspektivisch noch erweitert werden.
Eine unabhängige Studie des KIT Karlsruhe zeigte, dass im Abwasser von Geflügelschlachthöfen
immer wieder multiresistente Keime nachgewiesen werden.
Auch das Abwasser von Plukon Gudensberg war mit diesen Keimen sowie mit
Rückständen von Antibiotika belastet.
Nach Veröffentlichung der Ergebnisse entschloss sich Plukon zur probeweisen
Inbetriebnahme einer Ozon-Desinfektionsanlage für das Abwasser.
Multiresistent nennt man Keime, die auf mehrere gängige Antibiotika nicht
mehr sensibel sind. Dies kann gefährlich werden, wenn sie Infektionen beim
Menschen verursachen und sich als therapieresistent erweisen. Multiresistente
Keime stellen eines der Hauptprobleme in Krankenhäusern dar, und jedes
Jahr sterben in Deutschland geschätzt 70.000 Menschen an Infektionen mit
solchen Erregern. Auch Rückstände von Antibiotika im Wasser können dafür
sorgen, dass sensible Keime absterben, während resistente Keime sich stark
vermehren.
Für die Überwachung und Bewertung der Gewässerqualität ist die Obere Wasserbehörde
des Regierungspräsidiums Kassel zuständig. Diese Behörde sah
schlussendlich keine entscheidenden Bedenken, die diese Leitung hätten verhindern
können. Eine Beprobung des Abwassers oder der Eder an der Einleitungsstelle
ist bisher nicht vorgesehen.
Der BUND Edermünde fordert die engmaschige Überwachung der Abwässer
dieses Schlachthofs mit transparenter Veröffentlichung der Ergebnisse sowie
bei Bedarf die Verpflichtung zu Gegenmaßnahmen.
Dem ungebrochenen Trend zu immer mehr intensiver Geflügelwirtschaft, die
teilweise die Behandlung sehr großer Tierzahlen mit Antibiotika mit sich bringt,
stehen wir aus zahlreichen offensichtlichen Gründen sehr kritisch gegenüber.

Abwässer aus dem Geflügelschlachthof werden nun direkt in die Eder eingeleitet
Foto: Jörg Warlich
