Dr. Riehm in Grifte: Was die Sanierung uns alle kostet
Die Teerfabrik Dr. Riehm in Grifte wurde von 1894 bis 1996 betrieben. Produ-
ziert wurden Dachpappe, Straßenteer und Grundstoffe für die chemische Indus-
trie, seit 1965 dann Bitumen und Unterbodenschutz. 1996 wurde der Betrieb
eingestellt.
Über viele Jahrzehnte warf das Unternehmen hohe Gewinne ab. Die Familie
des Dr. Riehm baute in Grifte eine Villa und eine Privatstraße, die heute noch
seinen Namen trägt.
Zurück blieb eine Industriebrache– mit einer großen Altlast im
Boden, die auch das tiefe Grundwasser erreicht hat.
120 Messpunkte zeigen: Eine "Schadstoff-Fahne" aus Produktionsrückständen
erstreckt sich im Grundwasser über viele hundert Meter vom Fabrikgelände
Richtung Eder wie ein riesiger unterirdischer Teersee. Die Messwerte im Boden
sind bis zu 820 mal höher als die gesetzlichen Grenzwerte. Viele dieser Stof-
fe (PAK polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, BTEX Benzol, Toluol,
Ethylbenzol und Xylol, Kraftstoffe,...) gelten als gesichert krebserregend und
erbgutschädigend.
Für die damaligen Arbeiter gab es kaum Schutzmaßnahmen, viele erkrankten.
Die erhebliche Gesundheitsgefährdung macht eine aktive Sa-
nierung notwendig:
Seit 2003 (!) saniert die HIM GmbH (früher: Hessische Industriemüll-Altlas-
tensanierungsgesellschaft) im Auftrag des Landes Hessen.
Fast 100.000 Kubikmeter Grundwasser jährlich werden in einer eigenen Anla-
ge gereinigt und in die Eder geleitet. Allein hier fällt jedes Jahr ca. eine Tonne
schwarze Schadstoffschlacke an! Parallel wurden viele tausend Tonnen ver-
seuchter Boden ausgebaggert, bis das ehemalige Fabrikgelände ein riesiges
Loch war. Immer wieder stieß man auf Teergruben.
Für Interesse sorgte 2022 die technisch extrem aufwendige Sanierung des
"Abzugsgrabens", in dem früher hoch belastetes Abwasser einfach in die Eder
geleitet wurde. Hierzu war die HIM monatelang vor Ort und transportierte ton-
nenweise Boden als Sondermüll ab.
Noch viele Jahre werden die Maßnahmen und Kontrollen andauern, um die
Ausbreitung der Schadstoffe zu stoppen.
Die Gesamtkosten der Sanierung liegen mittlerweile weit über
20 Millionen Euro, die der Steuerzahler trägt.
Dies ist leider die Regel. Nur selten können die Versursacher und Profitmacher
(oder ihre Nachfolger) für diese Schäden haftbar gemacht werden.
Was Unternehmen beim Umweltschutz einsparen, bezahlen
wir alle später zehnfach. Nicht nur finanziell.
Hochinteressanter Bericht zur Dr. Riehm-Fabrik mit Bildern und Video:
https://www.him-asg.de/Projekte.php
Mehr Infos beim BUND Edermünde!

So haben es viele noch in Erinnerung:
Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Dr. Riehm -Fabrik
Foto: HIM GmbH (Hessische Industriemüll GmbH, Geschäftsbereich Altlastensanierung)
