• Name des Verein / Organisation: BUND Ortsgruppe Edermünde

Neue Ansätze zur Verringerung der Waschbärenanzahl?
Nordhessen ist eine Hochburg der Waschbären. 1934 wurden die ersten Exemplare
am Edersee ausgesetzt, weil man Pelztiere jagen wollte.
Heute wissen wir, dass das keine gute Idee war! Waschbären können zur echten
Plage werden, die Schornsteine verstopfen, Mülleimer ausräumen und sogar
Gebäude beschädigen. Sie sind Träger vom Staupevirus und von Parasiten,
und man wirft ihnen die Gefährdung heimischer Tiere vor.
Seit über 70 Jahren werden die Waschbären bejagt, ähnlich wie Füchse mit
allen Mitteln:
Sie werden vergiftet, erschossen, erschlagen, beim illegalen "Scharfmachen"
der Hunde totgebissen; sie verdursten qualvoll in Lebendfallen oder sterben als
verwaiste Jungtiere (sh. Foto).

Die Mutter dieser jungen Waschbären wurde durch eine illegale Schlagfalle so
schwer verletzt, dass sie starb. Foto: Maria Koch
Hat dies ihre Anzahl wirkungsvoll reduziert? Nein, im Gegenteil!
Freie Reviere werden umgehend neu belegt, es gibt kaum noch stabile soziale
Strukturen mit Alttieren. Die Vermehrungsrate steigt sprunghaft, und die Jungtiere
sind besonders häufig Träger von Krankheitserregern.
Das "Management" durch maximale Bejagung konnte die Probleme also nicht
verringern.
Vielen Menschen sind die Tierschutzverstöße auch nicht egal: Waschbären
sind intelligente und fühlende Mitgeschöpfe und geradezu ein Symbol für
Nordhessen.
Einmal aufgenommene Waschbären darf man nicht auswildern. Die Haltung im
Gehege ist nur angemeldet und unter strengen Auflagen legal.

Im Sommer 2025 machte ein Pilotprojekt in Kassel Schlagzeilen:
Mit Sondergenehmigung wurden Waschbären gefangen, sterilisiert und wieder
freigelassen. Bei der Sterilisation bleibt der Hormonhaushalt unverändert (im
Gegensatz zur Kastration).
Das Ziel: Die Tiere sollen ihr Revier behalten, aber keinen Nachwuchs mehr
produzieren.
Effekte: Weniger Zuwanderung/ Konflikte/ Gebäudeschäden, die Anzahl sinkt
langfristig.
Vergleichbare Projekte waren in Europa bereits bei Streunerkatzen, Nutrias und
Marderhunden erfolgreich.
Die Aktion wurde aus Spenden finanziert, ohne öffentliche Gelder.
Aufgrund eines Wechsels der zuständigen Behörde wurde das Projekt vorerst
gestoppt.
Zudem liegt eine Beschwerde vom Landesjagdverband (!) vor. Hier befürwortet
man anscheinend ein "Weiter wie immer"??
Wir bleiben gespannt!